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Kinder ohne BindungKinder brauchen für ihre gesunde Entwicklung nicht nur eine ausreichende Ernährung, sondern auch Bindungspersonen, die für ihre emotionalen Bedürfnisse verfügbar sind. Bei Säug-lingen hat eine Vernachlässigung dieser emotionalen Bedürfnisse unter anderem eine Schädigung der Hirnreifung zur Folge. In ihrer weiteren Entwicklung zeigen diese Kinder schwere Bindungsstörungen. "Kinder ohne Bindung" sind das Thema bei einer internationalen und interdisziplinären Konferenz (Leitung: Dr. Karl-Heinz Brisch), die das Dr. von Haunerschen Kinderspital am Klinikum der Universität München in Zusammenarbeit mit der Internationalen Akademie für Entwicklungs-Rehabilitation und der Theodor-Hellbrügge-Stiftung München veranstaltet am 29. Oktober ab 14 Uhr (idw) Unter den Referenten ist einer der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiet, Professor Sir Michael Rutter, vom Kings College in London. Der Wissenschaftler bekommt im Rahmen der Konferenz, zu der mehr als 500 Teilnehmer erwartet werden, den Arnold-Lucius-Gesell-Preis für sein wissenschaftliches Lebenswerk. Die klassischen Studien über die psychische Deprivation (R.A. Spitz, W. Goldfarb, J. Bowlby u.a.) aus den vierziger und fünfziger Jahren wiesen häufig darauf hin, dass Kinder, die in einer stimulans- und besonders gefühlsarmen Umgebung aufwuchsen, bestimmte spezifische Abweichungen in ihrer intellektuellen und charakterlichen Entwicklung aufwiesen. Die Prognose dieser Abweichungen galt als ungünstig. Man war der Meinung, dass praktisch alle Kinder, die dem Einfluss dieser ungünstigen Umgebung ausgesetzt waren, geschädigt wurden und dass diese Schädigung eine einheitliche Wirkung hat. Häufig sprach man daher vom Deprivationssyndrom. Neuere Studien aus den fünfziger und sechziger Jahren zeigten jedoch, dass die Folgen der Deprivation bei Weitem nicht so einheitlich sind, wie man angenommen hatte und dass eine Besserung nicht nur möglich, sondern auch erfolgreich sei, fängt man mit ihr rechtzeitig und mit Rücksicht auf den individuellen Charakter eines jeden Falles an. Es zeigt sich, dass viele Kinder das Heimmilieu ohne bemerkbare Entwicklungsabweichungen vertragen und dass diejenigen, bei denen Abweichungen auftreten, in neuen Lebenssituationen (wie z. B. Adoption), wie auch bei verschiedenen therapeutischen Bemühungen sehr unterschiedlich reagieren. Aus diesen Beobachtungen kann man schließen, dass Kinder sich selbst unter einheitlichen Deprivationsbedingungen individuell entwickeln. Trotzdem kann man jedoch bei einem detaillierten Vergleich der Entwicklung einzelner Kinder unter Heimbedingungen bestimmte auffallende Züge erkennen, die dem Verhalten der deprivierten Kinder gemeinsam sind. Man spricht deswegen also nicht mehr von einem Deprivationssyndrom, sondern versucht, einzelne "Verhaltenstypen" zu finden, die eine Wechselwirkung bestimmter typischer Persönlichkeitsmerkmale des Kindes mit typischen Charakteristika seiner Lebensumgebung aufweisen. Weitere Informationen zur Konferenz gibt es bei Dr. Karl-Heinz Brisch, Leiter der Pädiatrischen Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. von Haunerschen Kinderspital, Kin-derklinik und Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, Telefon 089/ 5160-3954 oder email: Karl-Heinz.Brisch@med.uni-muenchen.de Sachgebiet: Medizin und Gesundheitswissenschaften, Pädagogik, Psychologie von: Klinikum der Universität München Quelle: Informationsdienst Wissenschaft | ||||||||||
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