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Wie die Technik modern wurde - Über Grenzen und Vielfalt technischer RationalitätWie ist die Technik modern geworden? Wo war der Ort von Rationalität und wo der von Zauber? Und wie sind diese beiden miteinander ausgekommen? Davon berichtet der Historiker Ulrich Wengenroth (TU München) in seinem öffentlichen Vortrag im Rahmen der Alfred Pott-Vorlesung zu Technik, Wirtschaft und Kultur 2004 am 2. November um 18.15 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Institut, Essen. (idw) Die Moderne und insbesondere die moderne Wissenschaft sind nach Max Weber gekennzeichnet durch die Entzauberung der Welt. An die Stelle von Glauben und Mythen tritt Rationalität. Technik, die lange als Kunst verstanden wurde, sucht sich neue Grundlagen in der Sprache der Mathematik und in den empirisch begründeten Naturwissenschaften. Berechnung und sicheres Wissen treten an die Stelle von ästhetischem Gefühl und handwerklicher Tradition. Sie entfesseln das technische Können und mit ihm die technisierte Welt. Max Weber war sich sicher, "dass man alle Dinge im Prinzip durch Berechnen beherrschen könne". Nun, wir wissen heute, dass das nicht der Fall ist. Restrisiken, nicht intendierte Nebenfolgen und schlichtes Nicht-Wissen sind Konfliktherde im öffentlichen Diskurs und Themen der Wissenschaftsforschung. Die Verwissenschaftlichung der Welt hat den Zauber nicht vertrieben und moderne - und erst recht postmoderne - Rationalität sucht ihm einen Platz in ihren Theorien. Technische Rationalität wird vielschichtig und löst ihre harten Ränder auf. Die Kunst, das "schweigende Wissen", das ästhetische Urteil halten wieder Einzug in die Methoden der Ingenieurwissenschaften, weil man ihrer einfach nicht entbehren kann. Auf der anderen Seite haben die vielfältigen materiellen Früchte moderner Technik, lange normativ als "technischer Fortschritt" verstanden und als vernünftige Wohlstandsvermehrung für alle Menschen begrüßt, ihre praktische Vernunft zusehends eingebüßt. Das "immer mehr" trifft kaum noch auf materielle Not, die es lindern könnte. Stattdessen dient es sozialer Differenzierung, schafft emotionale Geborgenheit und bekämpft Versagensängste und Verlassenheitsgefühle. Technische Konsumgüter erzeugen in erster Linie Gefühle und Befindlichkeiten, genau jene Gegenteile kühler Rationalität, mit der die Moderne angetreten ist. Prof. Dr. Ulrich Wengenroth lehrt Geschichte der Technik am Münchener Zentrum für Wissenschafts- und Technikgeschichte. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählt die Studie "Unternehmensstrategien und technischer Fortschritt. Die deutsche und britische Stahlindustrie 1865-1895", die mit dem Kellermann-Preis für Technikgeschichte ausgezeichnet wurde. Alfred Pott-Vorlesungen zu Technik, Wirtschaft und Kultur Die Vorlesungsreihe greift zentrale Themen im Schnittfeld der Bereiche Technik, Wirtschaft und Kultur auf. Da diese von ganz unterschiedlichen Wissenschaften analysiert werden, gerät ihr innerer Zusammenhang nur zu leicht aus dem Blick, obwohl er in den realen Prozessen des menschlichen Lebens und ganz besonders in den aktuellen Globalisierungsprozessen überaus wirksam ist. Der weltweite strukturelle Wandel wirft dramatische Orientierungsprobleme für wirtschaftliches Handeln und kulturelle Deutung auf. Daher ist es ein Gebot der wissenschaftlichen Innovation und der objektiven Lage, auf neue und entschiedene Weise nach den inneren Zusammenhängen von Wirtschaft, Technik und Kultur zu fragen. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.kwi-nrw.de oder unter der Telefonnummer 0201/7204-160. Sachgebiet: Elektro- und Energietechnik, Geschichte, Gesellschaft, Maschinenbau und Verfahrenstechnik, Wirtschaft von: Kulturwissenschaftliches Institut Quelle: Informationsdienst Wissenschaft | ||||||||||
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