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Neuer islamisch-seldschukischer Herrscher entdeckt



Wissenschaftlerteam von der Universität Jena findet Bleisiegel, das auf Königsmord deutet

(idw) Jena (20.10.04) Ein Bleisiegel eines bislang unbekannten Usurpators im mittelalterlichen islamisch-seldschukischen Anatolien, Ikhtiyar ad-Din al-Hasan ibn Ghafras, ist durch ein Forschungsteam von der Universität Jena entdeckt worden. PD Dr. Stefan Heidemann und Dr. Claudia Sode fanden das Siegel in den Sammlungen des Zentrums für byzantinische Forschungen der Harvard University in Washington D.C..

"Das Besondere ist, dass al-Hasan ibn Ghafras aus dem oströmischen-byzantinischen Adel stammt", hebt die Byzantinistin Claudia Sode hervor. Damit beweist das Dokument in Blei, dass ein hoher Funktionär des Seldschukenreiches und Angehöriger der ehemaligen oströmischen Adelsfamilie der Gabraden für kurze Zeit im Jahr 1192 Anspruch auf den Sultanstitel im islamischen Seldschukenreich erhoben hat. "Für die seldschukische Geschichte ist dies ein einmaliger Vorgang", wertet Stefan Heidemann. "Ein solcher Vorgang ist weder in der griechischen, arabischen oder persischen Geschichtsschreibung belegt - vermutlich liegt hier ein Königsmord zugrunde", betont der Islamwissenschaftler die Bedeutung des Fundes. "Das Siegel ist ein originales Dokument, das in den wenigen Wochen der Usurpation angefertigt wurde und wahrscheinlich an einem Staatsschreiben nach Konstantinopel hing", ergänzt Sode.

Die Entdeckung ist Teil eines Forschungsprojektes, zu dem die Harvard Universität das Jenaer Team nach Washington an das Zentrum für byzantinische Studien in Dumbarton Oaks eingeladen hat. Ziel des Projektes ist es, die etwa 100 Bleisiegel in byzantinischer Tradition mit arabischen, syrisch-aramäischen und armenischen Inschriften in der dortigen Sammlung zu erschließen. Die Siegel dienen als Wissensquelle über die Bevölkerung, die politische Herrschaft und die Kirchenorganisation in der syrisch-nordmesopotamischen Grenzregion zwischen Byzanz und dem Islamischen Reich.

Kontakt:
PD Dr. Stefan Heidemann, Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Sellierstr. 6, 07745 Jena, Tel.: 03641 / 944864, E-Mail: x7hest@uni-jena.de;

Dr. Claudia Sode, Institut für Altertumswissenschaften, ist derzeit Feodor-Lynen-Stipendiatin der Alexander-von-Humboldt-Stiftung am Centre d'Histoire et Civilisation de Byzance in Paris, E-Mail: Clsode@aol.com.

Sachgebiet: Geschichte

von: Friedrich-Schiller-Universität Jena
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft


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