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Warum der EU-Beitritt der Türkei für Europa wichtig istProf. Dr. Herfried Münkler plädiert in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "UNIVERSITAS" für den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union (idw) In der aktuellen Debatte um den EU-Beitritt der Türkei spielen kulturelle und ökonomische Argumente die Hauptrolle. Geopolitische Überlegungen werden dagegen nur selten ins Spiel gebracht, wiewohl sie, wie Professor Münkler betont, mittel- und langfristig von größerem Gewicht sein dürften als die Frage, was die Westeuropäer in kultureller Hinsicht mit den Türken verbindet und welche finanziellen Belastungen kurzfristig bei einem EU-Beitritt der Türkei auf die Kassen der Europäischen Union zukämen. Die Türkei hat seit Anfang der neunziger Jahre drei geopolitische Optionen: die Zugehörigkeit zu Europa, die Annäherung an die arabisch-islamische Welt sowie eine Dominanzstellung gegenüber den Turkvölkern im zentralasiatischen Raum. Es steht außer Frage, dass Europa für die Türkei die attraktivste Option darstellt, und dementsprechend haben die wirtschaftlichen und politischen Eliten der Türkei auf die europäische Karte gesetzt. Wenn diese Karte nicht sticht, weil die Europäer den Beitritt hinauszögern oder verweigern, werden, so Herfried Münkler, die beiden alternativen Optionen schnell an politischem Zulauf gewinnen. Die beiden anderen Optionen, die islamische wie die großtürkische, hätten verheerende Folgen für die Stabilität der europäischen Südostflanke. Auch wenn unwahrscheinlich ist, dass die Türkei eine Dominanz über die zentralasiatischen Turkvölker tatsächlich herstellen könnte, so dürfte allein der Versuch dazu einen Krisenherd schaffen, der in Verbindung mit den Problemen der Kaukasusregion sehr schnell gefährliche Ausmaße annehmen würde. Gerade die Europäer haben ein vitales Interesse daran, dass die Probleme des Nahen Ostens, eingeschlossen den Irak, und die des südlichen Rands der ehemaligen Sowjetunion nicht zusammenfließen. Neben einem stabilen Iran ist vor allem die Türkei ein Sperrriegel zwischen beiden Krisenregionen. Würde die Türkei nach einem verweigerten EU-Beitritt die großtürkische Karte spielen, so würde dieser Riegel geöffnet. Die Europäer hätten darauf keinen entscheidenden Einfluss, sondern müssten zusehen, ob die USA, nicht nur der stärkste Machtfaktor in der Region, sondern dann auch wieder wichtigster Partner der Türkei, das Öffnen oder Geschlossenhalten dieses Riegels für attraktiver halten. Informationen Dirk Katzschmann, UNIVERSITAS Sachgebiet: Gesellschaft, Politik und Recht von: Humboldt-Universität zu Berlin Quelle: Informationsdienst Wissenschaft | ||||||||||
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