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Reste!



Umgang mit einem Randphänomen / Tagung zu einem 'randlichen' Thema

(idw) FRANKFURT. Die Veranstaltung des Graduiertenkollegs 'Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung' setzt den Akzent auf verschiedene Umgangsformen mit Resten und versucht, sie exemplarisch vorzustellen und zu ordnen. Drei Tage lang werden WissenschaftlerInnen das Phänomen konturieren und ihre Positionen in einem interdisziplinären Spannungsfeld entwickeln. Ein Filmabend im Mal Seh'n Kino und eine Hörstation in der Caféteria Rotunde öffnen die Perspektive hin auf den künstlerischen und dokumentarischen Umgang mit Resten.

Dort, wo Reste entstehen, vollzieht sich implizit eine Form von Kritik an Gegebenheiten, an den Kategorien des Sammelns und Bewahrens und an den Kriterien für das eigene Tun. Der Rest entzieht sich zunächst der Beobachtung, denn sonst hätte man ihn vermieden. Er ist ein blinder Fleck, den die Wahrnehmung übergeht. Diese Nachträglichkeit verleiht den Anhängseln aber auch jenes subtile Moment, das eine Untersuchung lohnenswert macht. Wer mit Resten umgehen will, muss nach den Mechanismen für die Auswahl, die Wertung und Kanonisierung fragen: Was hat man übersehen, warum entstand der Rest?

Zum Rest können dabei nicht nur Dinge, sondern auch Menschen werden. Gesellschaftspolitische Marginalisierungsprozesse sind ebenso Thema der Tagung wie kulturelle Praktiken im Umgang mit Dingen. Im Zusammenhang mit der Entwicklung technischer Medien stellen sich Fragen nach der Herkunft und dem Umgang mit Resten besonders. Welche Auswirkung haben Medien auf unseren Umgang mit Resten?

Nach den Tagungen 'Ereignis' (2002) und 'Zum Zeitvertreib' (2003) erhebt das Graduiertenkolleg mit dieser Tagung einmal mehr den Anspruch, das Forschungsfeld von Zeiterfahrung und ästhetischer Wahrnehmung zu diskutieren - und dies unter mehreren Gesichtspunkten des Umgangs mit Resten: Sammeln, ausschließen und nutzen.

PROGRAMM

Donnerstag, 8. Juli 2004

14:00 Begrüßung

Reste sammeln
14:15 Das Museum und die Reste. Vom Sammeln und Bewahren und vom Übrigbleiben // Ulrich Krempel (Hannover)
15:45 Kultur. Müll. Wissenschaft. Bewegungen im Grenzbereich //
Sonja Windmüller (Marburg/Frankfurt)
17:00 Erinnerungsreste - Ordnungsstrukturen des Sammelns // Anja Lemke (Frankfurt)
20:00 Zwischen Resten von Bildern, Filmvorführung: Instabile Materie und anschließende Diskussion mit Jürgen Reble
22:15 Filmvorführung: Michael Glawogger: Megacities

Freitag, 9. Juli 2004

Reste ausschließen
09:30 Wer dabei ist, muss noch nicht dazugehören: Integrationsvorstellungen und Exklusionseffekte // Heinz Bude (Hamburg)
10:45 Die vergessenen Reste: Theorie und Praxis des blinden Flecks // Elena Esposito (Reggio Emilia)
12:15 Das kybernetische Opfer. Ausgeschlossene Daten // Wolfgang Ernst (Berlin)
14:45 Vom Versprechen zum Versprechen. Die Abfälle der Moderne // Manfred Schneider (Bochum)

Reste nutzen
16:00 Reste der Stadt. Gordon Matta-Clark und die Wirtschaftskrise der 1970er Jahre // Philipp Ursprung (Zürich)
17:30 Ästhetik und Marginalisierung // Susanne Hauser (Graz)

Samstag, 10. Juli 2004

Reste nutzen
09:30 Reste des Authentischen // Herta Wolf (Essen/Duisburg)
10:45 'Kitsch'. Resteverwertung in der Kunst-Evolution // Thomas Küpper (Frankfurt)
12:15 Der Autor als Müll-Produzent // Burkhardt Lindner (Frankfurt)
13:30 Abschlussdiskussion

Vom 5. bis 9. Juli: Hörstation 'Reste' in der Cafeteria Rotunde, Campus Westend

Kontakt: Prof. Burkhardt Lindner; Andreas Becker, Graduiertenkolleg 'Zeiterfahrung und ästhetische Wahrnehmung' (FB 10); Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt; Tel. 069/798-33115; -23993, Fax. 069/798-33116; E-Mail: A.Becker@tfm.uni-frankfurt.de

Wann? Donnerstag, 8. Juli bis Samstag, 10. Juli

Wo? Eisenhowerraum 1.314; IG Hochhaus; Campus Westend;
Grüneburgplatz 1; 60323 Frankfurt

Informationen: www.uni-frankfurt.de/fb10/grakozeit

Sachgebiet: nicht-fachbezogen

von: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft


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